Ausstellungsgestaltung, Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben Wolfegg
Dauerausstellung Alltagswelten — gestern und heute
Info
Auf einer Fläche von 120 qm stellt die Ausstellung „Alltagswelten — gestern und heute“ den Vergleich an — von alltäglichen Situationen, wie sie sich im Heute darstellen und wie sie sich um 1900 gestaltet haben mögen. Spielerisch können Kinder und Jugendliche an vier Mach-mit-Stationen in die Lebenswelten von damals eintauchen und einen Bezug zur eigenen Realität herstellen.
Die Stationen „zusammen — allein“, „menschlich — technisch“, „wenig — viel“, „langsam — schnell“ haben wir barrierearm und in Kooperation mit einer Prüfgruppe aus blinden, sehbeinträchtigten und körperlich stark beeinträchtigten Menschen entwickelt. Alle Informationen werden auch als Audios, in leichter und Gebärdensprache vermittelt. Eine taktile Raumübersicht und Bodenleitlinien geben blinden Menschen Orientierung.
Wir danken dem Körperbehindertenzentrum Oberschwaben, der Blinden- und Sehbehindertenschule Weingarten und dem Blindenverband Ravensburg für die fruchtbare Kooperation!

2024 / Universal Design Award
Winner Expert



zusammen — allein
In der Station „zusammen — allein“ dreht sich alles um Wohnen. Mittels eines Fadenvorhangs haben wir einen Raum im Raum erzeugt. Hier dürfen es sich die Besuchenden auf Teppich und Kissen gemütlich machen und in „Wohngeschichten“ eintauchen. Im Video werden Menschen vorgestellt, die unterschiedliche Wohnformen leben — als Familie, in einer Wohngemeinschaft, als Single oder als Paar. Heutige Wohnformen werden mit den Möglichkeiten des Wohnens um 1900 verglichen und in Beziehung gestellt. Und wir fragen die Besuchenden: „Wieviel Kontakt möchtest Du zu Deinen Nachbarn?“. Antwort ist ein farbiger Ball, der in eines von drei Multiple-Choice-Netzen gesteckt wird. Der Status Quo aller Antworten lässt sich von blinden Menschen ertasten.







menschlich — technisch
„Menschlich — technisch“ thematisiert das Arbeiten damals und heute. In meditativen Video-Loops werden Handarbeit und maschinelle Arbeit an den Beispielen melken und waschen nebeneinander gestellt. Hand-Ons wie eine halbmaschinelle Melkmaschine und ein Waschbrett mit Zuber lassen sich tasten. „Was kannst Du besser als eine Maschine?“ fragen wir an der Feedback-Station; die Antwort kann sowohl in ein Buch geschrieben oder gezeichnet werden, als auch auf ein Tonbandgerät aufgezeichnet. So können auch blinde Menschen Feedback geben und sich die Antworten anderer Besuchenden anhören.






langsam — schnell
Diese Station befasst sich mit Geschwindigkeit und Fortbewegung. Die Videoinstallation zeigt links das Zu-Fuß-gehen und eine Fahrt mit Ochsenkarren — die um 1900 meistgenutzten Fortbewegungsmittel —, und auf der rechten Seite Verkehrsmittel wie Auto, Bahn und Flugzeug, die häufigsten Mobilitätsformen heute. Analog dazu können wir an zwei sich drehenden Bürstenrädern die unterschiedlichen Geschwindigkeiten mittels Handauflegen erfühlen: Das linke Rad dreht sich mit 5 km/h, das rechte mit 30 km/h.





wenig — viel
Bei „wenig — viel“ geht es um Besitz im weiten Sinne. Wir thematisieren das anhand von Kleidung: Eine Kleiderstange fasst die rund 130 Oberbekleidungsstücke, die wir in Deutschland durchschnittlich im Schrank hängen haben. Daneben stellen wir einen kleinen Stapel mit sieben Kleidungsstücken; so viel Oberbekleidung besaß eine Bäuerin um 1900. Weiterführend beschäftigt sich die Station mit dem Thema Müll, einer Folge des heutigen Fast-fashion-Trends. An einer Feedback-Station sammeln wir Kleider-Geschichten der Besuchenden und fragen: Von welchem Kleidungsstück könntest Du Dich nie trennen? Und warum?








